Plattform Lebenswertes Waldviertel

Die Bedeutung und der Wert des Waldviertels steigen in Zukunft in jenem Maß, in welchem der Rest der Welt unter Beton, Asphalt und Zersiedelung verschwindet.

Ein Grund für uns, uns weiter für ein lebenswertes Waldviertel einzusetzen.

Windkraft – JA!

aber
Windräder in den Waldviertler Wäldern – eine gute Idee?

Erlebe das Waldviertel echt, pur und unverfälscht lautet der Leitspruch von Waldvierteltourismus. Ist dieser Slogan für den Bezirk Waidhofen/Th in naher Zukunft womöglich nicht mehr anwendbar?

„Wald ist Freund und Therapeut“ sagt Tom Bauer, Geschäftsführer von Waldvierteltourismus

realitätsnahe Simulation Gr. Siegharts mit Blick auf den Sieghartsberg; Die bis zu 285m hohen Windräder wären zweifelsohne plötzlich die dominanten und prägenden Elemente einer bisher naturnahen Kulturandschaft.


Klar ist: Wir befinden wir uns in der Klimakrise.

Allerdings überlagert sie eine zweite – mindestens ebenso bedrohlicheKrise: Den Verlust an Biodiversität. Wir müssen beides gleichermaßen schützen! Forscherinnen der BOKU haben kürzlich eindringlich aufmerkam gemacht „Artensterben im Schatten der grünen Energieträger“ (hier klicken).
Der Wald spielt für die Bewältigung dieser Polykrise eine ganz zentrale Rolle. Er zählt zu den einigermaßen intakten Ökosystemen und ist Rückzugsgebiet für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, er speichert er Wasser, kühlt und übernimmt somit wichtige Funktionen für das Kleinklima einer Region. Der Wald ist unser stärkster Verbündeter gegen die Klimakrise. Ihn weiter zu schwächen oder gar zu opfern, garantiert ein Scheitern der Energiewende. Er ist in der Lage, gewaltige Mengen CO2 aus der Atmosphäre zu holen und zu binden. Die Entstehung von 1cm Waldboden dauert ca. 100 Jahre. Dieser Humusboden sichert eine Vielzahl von biologischen und ökologischen Bodenfunktionen und trägt maßgeblich zur Ausbildung der Bodenstruktur bei. Außerdem schafft er Lebensräume für Bodenorganismen und speichert ebenfalls sehr große Mengen CO2.

Ein Hektar Wald speichert pro Jahr zehn Tonnen CO2 – Foto: © Boni, BFW, Landwirtschaftskammer

Hier ein sehr aufschlussreicher Beitrag vom wohl bekanntesten Förster im deutschsprachigem Raum – Peter Wohlleben, nachhaltiges Wirtschaften und der Erhalt unserer Natur ist ihm ein besonderes Anliegen

Ist ein Mehr an Windkraft die einzige Möglichkeit für den Ausstieg aus der fossilen Energie?

Windkraft als auch Photovoltaik gewinnen den Strom nicht immer dann, wenn er gerade gebraucht wird, daher müssen bei weiterem Ausbau dieser Energieerzeuger auch die Strom- und Wärmespeicher ausgebaut werden. Doch Windkraft ist nicht alternativlos! Eine differenzierte Sichtweise ist hier angebracht. Je nach den Gegebenheiten einer Region kann der Schwerpunkt durchaus auf Photovoltaik liegen. Sie hat einen geringeren Platzbedarf, ist gesellschaftlich besser verträglich und verursacht keinen irreparablen Umweltschaden. Eine neue Studie zeigt, dass der Bezirk Waidhofen/Thaya sogar ohne Windstrom seine gesamte benötigte Energie aus erneuerbaren Quellen schöpfen könnte! Mit einer klugen Kombination aus Photovoltaik und Energiespeicher kann überdies noch Energie verkauft werden!

Grundlagenstudie zur Energiewende in Waidhofen/Th

Sind Windräder für die Natur und den Wald unbedenklich, die Rotoren sind doch weit über den Baumwipfeln?

Auch wenn das Projektwerber und einseitig informierte Gemeindevertreter mit sehr kreativen Argumenten herunterspielen, aus wissenschaftlicher Sicht ist klar: Windräder haben mitunter eine erhebliche Auswirkung auf ihre Umgebung, deshalb ist die Standortwahl so entscheidend! Vor allem sensible Waldgebiete sind besonders kritisch zu bewerten. Die Experten von Birdlife (Statement hier) , Naturschutzbund (Statement hier) und der Forschungsgemeinschaft Wilhelminenberg (Statement hier) sprechen eine klare Sprache. Durch die geplanten Windparks verlaufen überregionale Wildtierkorridore u. Zugrouten, Naturlebensräume werden empfindlich gestört. Bei vielen seltenen Vogelarten zählen Kollisionen mit einem Windrad zu den häufigsten Todesursachen. Fledermäusen wiederum platzen aufgrund des Unterdrucks die Blutgefäße, wenn sie lediglich in die Nähe von Windrädern kommen (Barotrauma). Die bisher in den Waldviertler Wäldern angetrebten Windkraftprojekte haben ein gewaltiges Konfliktpotential mit dem Naturschutz. Sie wurden zum Teil abgelehnt oder liegen beim Bundesverwaltungsgericht. Die Wälder um Waidhofen sind meist noch von Fichte dominiert, allerdings hat ein Umbau zu klimafittem Mischwald begonnen. Aber selbst die als „Nutzwald“ oder „Wirtschaftswald“ betitelten Waldgebiete sind keinesfalls forstwirtschaftliche „Industriezonen“. Die Waldgebiete im nördlichen Waldviertel werden immer stärker zu Rückzugsgebieten der Natur, sie beheimaten sehr viele streng geschützte Tierarten. Durch die Verflechtung mit der einzigartigen Teichlandschaft kann man sie als absolute Biodiversitäts-Hotspots bezeichnen. Das obere Waldviertel ist bundesweit Hauptbrutgebiet der Seeadler und bundesweit einziges Brutgebiet von Kornweihe und Kranich.

Das obere Waldviertel ist bundesweit Hauptbrutgebiet der Seeadler (20 Brutpaare!) und einziges Brutgebiet der Kornweihe (europaweit wichtiger Bestand!), Experten sehen diese positive Entwicklung durch den geplanten Ausbau der Windkraft massiv gefährdet.


Soll man als BürgerIn die künftige Ausrichtung des regionalen Energiekonzeptes und schlussendlich das damit verbundene Erscheinungsbild unserer Region mitgestalten?

Natürlich! Offensichtlich wird der Prozess aber von jenen vorangetrieben, die die Gunst der Stunde nutzen wollen und hauptsächlich wirtschaftliche Interessen durchsetzen möchten. Die Repräsentanten der Bevölkerung (Bürgermeister u. Gemeinderat) haben in den letzten Jahren genügend Zeit gehabt, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Offensichtlich ist das nicht geschehen. Wurde ein umfassendes Energiekonzept für die Region erarbeitet? Wurden mehrere Modelle (auch mit weniger/keinen Windrädern) präsentiert und mit der Bevölkerung öffentlich diskutiert? Die Gemeindevertreter sind zum Thema Energie erstaunlicherweise uninformiert. Ein umfassendes Energiekonzept aus dem Jahr 2011 wurde hingegen stillschweigend ignoriert. Bei Immobilien in Windradnähe ist mit erheblichen Wertverlusten zu rechnen, es gibt nicht einmal eine Diskussion über Entschädigungszahlungen (wie in anderen Ländern üblich). Dafür sind die Windkraftbetreiber die treibende Kraft und die Gestalter der Region. Die Gemeindevertreter – motiviert durch die verlockenden Einnahmen – beziehen ihr Wissen hauptsächlich von den Projektwerbern. Deren Hauptabsicht wiederum ist es, ein Produkt zu verkaufen und dementsprechend sind auch ihre Informationen als Werbung und keineswegs objektive Entscheidungsgrundlage zu verstehen.
Firmen wie die WEB Windenergie sind grundsätzlich wertvolle Betriebe für unsere Region, allerdings ist die Gestaltung unserer Region Aufgabe der gewählten Volksvertreter.

Auch wir müssen einen Beitrag leisten. Aber wir dürfen unsere Region nicht zerstören, wenn es – wie von Fachleuten angezeigt – bessere und wirkungsvollere Methoden gibt.

Unsere Region ist geprägt von kleinstrukturierter, naturnaher Kulturlandschaft. Die sanften, bewaldeten Hügel, die vielen Gewässer und das weitgehend von Industrie unbelastete Landschaftsbild machen diese Region auch über die Grenzen Österreichs so einzigartig. Diese Landschaft ist daher das wichtigste und damit schützenswerteste, weil unwiederbringliche Kapital unserer Region! Die Lebensqualität ist außerordentlich hoch. Das zieht auch Menschen hierher, die sich nach Ruhe und Erholung sehnen, daher entwickelt sich der sanfte Tourismus zunehmend zu einem relevanten Standbein der Region. Das Waldviertel könnte zeigen, dass man den Spagat Erhaltung des Landschaftcharakters und der Ökologie, Ausbau des sanften Tourismus, Ausbau der erneuerbaren Energie und Ausbau zu einem Wirtschaftsstandort schaffen kann!

Kleinstrukturierte, naturnahe Waldviertler Kulturlandschaft – einzigartig und schützenswert

Nachhaltige Alternativen und Politische Unterstützung: Repowering als Weg in die Zukunft

Studien des Landes Niederösterreich haben eindrucksvoll aufgezeigt, dass die Erreichung der Energieziele nicht zwangsläufig mit der Zerstörung sensibler Ökosysteme einhergehen muss. Insbesondere das Konzept des Repowerings, also das Ersetzen veralteter Windkraftanlagen durch moderne Anlagen an bestehenden Standorten, bietet eine vielversprechende Lösung. Diese Strategie wird mittlerweile sogar von der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner unterstützt.

Vielfalt statt Monotonie: Intelligente Wege für die Energiewende im Waldviertel

Die Erfolge der Energiewende lassen sich nicht allein durch Quantität, sprich mehr Windräder, erreichen. Vielmehr bedarf es einer intelligenten Kombination verschiedener Komponenten. Besonders die effiziente Speicherung alternativer Energien spielt eine Schlüsselrolle. Im Waldviertel gibt es bereits Unternehmen, die sich als Vorreiter in der Entwicklung von Speichertechnologien, wie Wasserstoffspeichern, hervortun.

Um einen noch wirksameren Beitrag zur Energiewende zu leisten, könnte das Waldviertel seine Kräfte verstärkt auf die Forschung und Entwicklung dieser essenziellen Komponenten konzentrieren. Die Schaffung eines Waldviertler Forschungs- und Kompetenzzentrums sowie einer Akademie zur Ausbildung von Fachkräften, die für die Energiewende unabdingbar sind, könnte nicht nur die Region stärken, sondern auch eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze schaffen.

Innovative Lösungen sind gefragt, von PV bis zum Wasserstoff – Bild von user6702303 auf Freepik

Durch diese innovativen Maßnahmen hätte das Waldviertel die Chance, sich als Vorzeigeregion für eine erfolgreiche, nachhaltige Energiewende sowohl gesellschaftlich als auch ökologisch zu etablieren.

Betrifft Volksbefragung in den betroffenen Gemeinde am 10. März 2024:

Was passiert, wenn ich mit „JA“ stimme:
Ich vergebe damit jede Möglichkeit, in den weiteren Prozess eingreifen zu können. Oder auch: Der Zug fährt ohne uns ab! Die Windkraftbetreiber werden zur treibenden Kraft bei Gestaltung unserer Region. Als profitorientiertes Unternehmen werden sie natürlich bestrebt sein, möglichst viele Windräder zu errichten.

Was passiert, wenn ich mit „Nein“ stimme:
Damit lebt die Chance für eine ehrliche Diskussion über den besten Beitrag und die besten Lösungen für das Waldviertel. Die Energiewende wird weder gefährdet noch verzögert. Es bedeutet auch nicht, dass unwiderruflich kein einziges Windrad mehr in dieser Region errichtet wird. Es wird auch künftig weitere Ausbaupläne für Windkraft geben. Das Rückgrat unserer modernen Energieversorgung werden vor allem Photovoltaik und Energiespeicher sein, deren Realisierung wird voraussichtlich noch 10 Jahre dauern. Wir haben daher genügend Zeit, die Bedürfnisse unserer Region zu evaluieren und Energiekonzepte im Einklang mit der Region (Ökologie, Landschaft, Gesellschaft) zu erarbeiten. Diese Prozesse müssen GEMEINSAM mit der Bevölkerung erfolgen. Ein perfektes Instrument hierfür wäre ein Energiebürgerrat. Nur so ist ein breiter Konsens möglich und es gibt nur Gewinner und keine Verlierer.
Eines ist klar: Wir können als Bezirk nicht die Welt retten, schon gar nicht, wenn wir es nicht einmal schaffen, unsere Wälder zu retten. Aber wir könnten einen besseren Beitrag zur Energiewende leisten, gleichzeitig unsere Wälder und unser Heimatgefühl retten und zur Vorzeigeregion werden.

Wir benötigen einen Dialog – das perfekte Mittel hierfür wäre ein BürgerratDesigned by pch.vector / Freepik

Ihre Entscheidung am 10. März ist nicht nur von lokaler Bedeutung. Sie trägt dazu bei, globale Herausforderungen anzugehen und nachhaltige Lösungen zu finden. Gemeinsam können wir eine Region schaffen, die als Paradebeispiel für die harmonische Verbindung von Natur, Energie und Gesellschaft dient.


Hier zum ausführlicheren Bericht zu den ursprünglich bis zu 48 geplanten Windrädern rund um Waidhofen/Th

Der bekannte Förster Peter Wohlleben zum Thema „Windräder im Wald“:

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